GL13 - Wildtierfreundlichkeit im Grünland

Definition

Auf der gleichen Fläche muss jeweils mindestens eine Maßnahme zum Wildtierschutz aus zwei Kategorien umgesetzt werden. Die beiden Kategorien sind erstens Maßnahmen zum Schutz von Rehen und größeren Tieren, und zweitens Maßnahmen zum Schutz von Insekten und Kleintieren. Die Maßnahmen für Rehe und größere Tiere können von Seiten des Betriebes, aber auch extern durch Jäger umgesetzt werden.

Maßnahmen für Rehe und größere Tiere (muss für die Anrechnung bis Ende Juni umgesetzt werden):

  • Absuchen der Flächen
  • Vergrämungsmaßnahmen
  • Einsatz von Wildrettern oder Drohnen
  • Zusammenarbeit mit Jägern

Maßnahmen für Insekten und Kleintieren (bei jedem Schnitt):

  • Mahd von innen nach außen oder mit einer anderen Mahdstrategie, die Fluchtwege eröffnet.
  • Beachtung von Tageszeiten/Witterung zum Schutz von Amphibien und Insekten
  • Fahrgeschwindigkeit geringer als 10 km/h
  • Hochschnitt mit einer Mahd oberhalb von 12 cm über dem Boden

Beispielsweise kann auf einer bestimmten Fläche ein Jäger vor der Mahd über die Fläche laufen, um Wildtiere aufzuschrecken und anschließend bei der Mahd ein Hochschnitt erfolgen.

Die Bewertung erfolgt gemessen am prozentualen Anteil der Maßnahmenfläche zur gesamten Grünlandfläche.


Bepunktung

0,2 Punkte je 1 % Grünlandfläche.


Geeignete Standorte

Wiesen und Mähweiden


Wem nützt es?

Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit von Rehkitzen, Junghasen und (gefährdeten) Wiesenbrütern fällt meistens mit dem ersten Grünlandschnitten etwa von April bis Juni zusammen. Rehkitze werden von ihre Müttern häufig auf landwirtschaftlichen Flächen versteckt, da sie im hohen Gras gut vor Fressfeinden geschützt sind. Die jungen Kitze sind wenig mobil und fliehen nicht bei Gefahr sondern verharren reglos auf dem Boden. Sie müssen vom Muttertier abgeholt oder aus der Fläche herausgetragen werden. Ältere Jungtiere reagieren auf akustische Signale und können schon selbstständig fliehen.

Aus den Kadavern vermähter Wildtiere können Giftstoffe in das Futter gelangen und Nutztiere gefährden.

Durch das Ergreifen von Maßnahmen zum Wildtierschutz, werden Verletzungen durch de Mahd vermieden. Auch Insekten und Amphibien können durch die Maßnahmen für Kleintiere geschont werden.


Tipps und Umsetzungsideen
  1. Vorbereitung und Organisation

    • Jagdpächter oder ein von ihm beauftragtes Wildrettungsteam frühzeitig über die geplante Mahd informieren
    • Zusammenarbeit mit Jägern, (ehrenamtlichen) Rehkitzrettern (organisiert in regionalen Vereinen) und - bei bedeutenden Brutvorkommen - Wiesenvogelschützern
  2. Maßnahmen am Vortag der Mahd Zielgruppe: vor allem Rehwild

    • Umsetzung von Vergrämungsmaßnahmen, z. B.: Knistertüten, Flatterbänder, akustische Geräusche auf der Fläche
    • Hinweis zu Bodenbrütern: Optische und akustische Vergrämung kann dazu führen, dass Elterntiere ihre Brut aufgeben. Bereits geschlüpfte Nestflüchter verteilen sich dann unkontrolliert auf der Fläche → Vergrämung daher nicht pauschal auf Flächen mit Bodenbrütern einsetzen.
  3. Maßnahmen am Mahdtag

    1. Absuchen der Flächen

      • Begehung der Flächen
      • Einsatz von gut ausgebildeten Vorstehhunden
    2. Drohnensuche mit Wärmebildkamera

      • Einsatz von Multikoptern mit Wärmebildkamera
      • Besonders effektiv und zeitsparend für Rehkitze
      • Teilweise können auch Junghasen und Bodenbrüter aufgespürt werden. Sie haben allerdings eine kleinere Wärmesignatur und sind häufig von Gras bedeckt. Daher muss hierfür tiefer geflogen werden.
      • Optimaler Zeitpunkt: Frühe, kühle Morgenstunden kurz nach Sonnenaufgang. Bei höheren Temperaturen ist der Unterschied zwischen der Umgebungstemperatur und der Körpertemperatur der Tiere nicht mehr ausreichend um die Tiere sicher zu detektieren.
      • Pilotenschein erforderlich (bei Drohnen ab 250 g)
    3. Infrarot-Wildretter

      • Am Körper getragen, mit Teleskopstange
      • Sensor schlägt bei Wärmesignal an
      • Ebenfalls früh morgens einsetzen
      • Vor allem geeignet für kleine, waldnahe Flächen
    4. Ergänzend: Wildwarner an der Mähmaschine

      • Wärme-Sensoren - auch nur bei ausreichend Temperaturunterschied zwischen Umgebung und Tier nutzbar
      • Akustische Signale - Wirkung bei mobilen Tieren
  4. Vorgehen beim Auffinden von Rehkitzen

    • Tiere nicht mit bloßen Händen anfassen
    • Mit Handschuhen und einem Büschel Gras das Tier in eine Kiste setzen und aus der Fläche tragen, im Schatten abstellen, Kiste abdecken bis nach der Mahd
    • Alternative: Tier mit Korb schützen, Fundstelle gut markieren, Fläche während der Mahd umfahren
  5. Vorgehen bei Bodenbrütern

    • Schonbereich von ca. 40 x 40 m um Brutplätze abstecken und bei der Mahd auslassen (großer Bereich als Schutz vor anschließender Prädation)
    • Bei Ernteausfällen durch Schutzmaßnahmen ist in vielen Bundesländern eine Ausgleichszahlung möglich. Ansprechpartner: Untere Naturschutzbehörden (UNB)
    • Bei bedeutenden Wiesenvogelvorkommen sollte idealerweise ein Wiesenvogelschützer (über UNB) für fachlich abgestimmte Maßnahmen die Flächenbegehung vor der Mahd begleiten.
  6. Mahdzeitpunkte

    • Für Insekten und Reptilien (insbesondere auf blütenreichen Flächen): In den frühen Morgen- oder Abendstunden, bei kühlem Wetter und bedecktem Himmel mähen, dann ist die Aktivität von blütenbesuchenden Insekten geringer.
    • Bei Amphibienvorkommen (insbesondere Feuchtgrünland, Flächen in Gewässernähe): Bei sonnigem, heißem Wetter am Tag mähen, dann ziehen sie sich in ihre Verstecke zurück.
    • Möglichst keine Nachtmahd: Scheinwerfer ziehen Nachtfalter an, größere Wildtiere werden geblendet und verharren und es gibt ein erhöhtes Tötungsrisiko für Wiesenvögel

Häufige Fragen

Anstatt von innen nach außen zu mähen, wird bei uns einmal um den Schlag außen herumgemäht und dann mähen wir von einer Seite zur anderen. Zählt das auch als Mäßnahme für Kleintiere?

Ja, wenn auf der Seite, wo die Tiere "hingetrieben" werden, eine gute Fluchtmöglichkeit besteht (Wiesen, Feldgehölze o. Ä.). Die Tiere sollten nicht in Richtung einer Straße oder eines Gewässers getrieben werden.


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