A12 - Einjährige Blühstreifen/-flächen
Definition
Zur Anlage einer einjährigen Blühfläche muss eine Mischung gesät werden, die mindestens zehn verschiedene Blühpflanzenarten enthält. Die Blühfläche muss stehen gelassen werden, bis die Pflanzen die Hauptblüte erreichen oder mindestens zwölf Wochen Standzeit aufweisen. Verbleibt die Fläche bis Mitte März des nächsten Jahres, wird die Maßnahme A13 zugeordnet. Die Bewertung erfolgt gemessen am prozentualen Anteil der Maßnahmenfläche zur gesamten Ackerfläche.
Bepunktung
6 Punkte je 1 % Ackerfläche.
Geeignete Standorte
- Gesamte Ackerfläche
- Starke Beschattung vermeiden (bsp. durch südseitigen Wald)
- Je breiter der Blühstreifen desto besser, um Vögeln und Kleinsäugern Schutz zu bieten.
- Bei Vorkommen seltener Ackerwildkrautarten sollte auf eine Einsaat verzichtet werden. Auf das Vorkommen solcher Arten insbesondere auf ertragsschwachen / in den letzten Jahren extensiv bewirtschafteten Äckern achten.
Wem nützt es?
- Nektar und Pollen für Insekten
- Brutplatz, Rückzugsraum und Nahrung für Feldvögel wie Rebhuhn, Braunkehlchen und Wachtel
- Rückzugsraum und Nahrung für Niederwild (bsp. Feldhasen)
- Verbessertes Nahrungsangebot für Insektenfresser (einige Vogelarten, Fledermäuse, ect.)
Tipps und Umsetzungsideen
Bitte beachten: Falls Sie auf der betreffenden Fläche Maßnahmen im Rahmen der Öko-Regelungen, Agrarumweltmaßnahmen oder Vertragsnaturschutz umsetzen, gelten die dortigen Vorschriften. Prüfen Sie, ob sich die Regelungen mit der hier geltenden Definition vereinbaren lassen.
Häufige Fragen
Worauf sollte ich bei der Anlage eines einjährigen Blühstreifens achten?
- Bereiten Sie ein feinkrümeliges Saatbett vor – ähnlich sorgfältig wie für einer Getreidesaat.
- Saatzeitpunkt, Saatstärke und Saattiefe richten sich nach der jeweiligen Mischung. Beachten Sie die Herstellerangaben.
- Säen Sie nach Möglichkeit nicht zu dicht, damit bodenlebende Arten ausreichend Bewegungsraum haben.
- Achten Sie auf eine gleichmäßige Durchmischung des Saatguts. Durch unterschiedliche Korngrößen kann sich das Saatgut im Tank der Sämaschine entmischen. Je nach Sätechnik, hilft es häufig, die Mischung mit einem Füllstoff (z. B. Sand, Sägemehl oder Schrot) zu strecken, um eine gleichmäßigere Verteilung zu erreichen.
Zu welchem Zeitpunkt sollten einjährige Blühstreifen eingesät werden?
Der optimale Saatzeitpunkt hängt von Mischung, Standort und Witterung ab.
Die meisten einjährigen Blühmischungen bestehen überwiegend aus einjährigen, frostempfindlichen Kulturpflanzen. Deshalb sollte die Einsaat erst nach erwarteten harten Spätfrösten im Frühjahr erfolgen.
In der Praxis liegt der geeignete Zeitraum meist im April oder Mai. Ideal ist es, wenn die Neuanlage von Blühstreifen gestaffelt erfolgt, sodass sich die Streifen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden.
Kann ich einjährige Blühstreifen auch auf Flächen mit erhöhtem Beikrautdruck anlegen?
Ja – je nach Mischung können einjährige Blühstreifen Beikräuter gut unterdrücken. Durch die regelmäßige Bodenbearbeitung ist das Risiko für die Verunkrautung der Fläche gering.
Bei Vorkommen von Problemunkräutern empfiehlt sich eine Mischung mit einem hohen Anteil konkurrenzstarker, schnellwüchsiger Arten wie Gelbsenf, Ölrettich, Phacelia oder Buchweizen.
Zudem sind in solchen Fällen hohe Saatstärke von 10–15 kg/ha oder mehr und eine besonders sorgfältige Bodenvorbereitung sinnvoll.
Was kann ich tun, wenn nach der Anlage unerwünschte Beikräuter aufkommen?
Bei starkem Auftreten von Beikräutern oder Ausfallgetreide ist ein Schröpfschnitt hilfreich – nach dem Auflaufen der Mischung, aber vor der Samenreife der unerwünschten Arten. Samenunkräuter wie Melde oder Ampfer können so wirksam an Ihrer Ausbreitung gehindert werden.
Ein hoch eingestelltes Mähwerk (mind. 15 cm, Richtwert: 20 cm) schont dabei die Jungpflanzen des Blühstreifens.
Ansonsten benötigen einjährige Blühstreifen keine Pflege und sollten auch nicht weiter bearbeitet werden.
Wo kann ich Saatgut für einjährige Blühstreifen bekommen?
- Viele Saatgutunternehmen bieten entsprechende Mischungen an. Die Mischungen nennen sich beispielsweise "einjährige Blühstreifen", "Buntbrachen", "Blühbrachen" oder "Wildäsungsmischung".
- Es ist Öko-Saatgut vorgeschrieben. Mischungen mit 100 % Öko-Saatgut gibt es z. B. bei Camena.
- Enthält die Mischung konventionelles Pflanzenarten, benötigen Sie für die einzelnen Arten einen Nichtverfügbarkeitsnachweis bzw. eine Ausnahmegenehmigung (weitere Information unter organicXseeds).
Worauf sollte ich beim Kauf der Blühmischung achten?
- Es ist Öko-Saatgut vorgeschrieben (s. o.)
- Sie sollte möglichst viele verschiedene Pflanzenarten umfassen.
- Die Arten sollten nektar- und pollenreich sein sowie ungefüllte Blüten besitzen.
- Mischung an den Standort anpassen:
- Auf trockenen Standorten helfen höhere Anteile schnellwüchsiger Arten (Gelbsenf, Ölrettich, Buchweizen, Phacelia), damit diese sich vor dem Einsetzen der Sommertrockenheit etablieren können.
- Fruchtfolgeverträglichkeit prüfen:
- Viele Mischungen enthalten Kreuzblütler (z. B. Gelbsenf, Ölrettich). Werden Raps oder Kohl angebaut, sollten diese Arten vermieden werden (Risiko: Kohlhernie).
- In Kartoffelfruchtfolgen sollte Senf und Phacelia aufgrund der Förderung der Eisenfleckigkeit vermieden werden.
Welche Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
Bringen einjährige Blühstreifen überhaupt etwas?
Einjährige Blühstreifen haben bezogen auf Ihre Wirkung für die Biodiversität ihre Grenzen, haben aber dennoch ihren Nutzen.
Vorteile:
- Mehr Nektar und Pollen für generalistische (wenig wählerische) Bestäuber
- Nahrung und Deckung für Niederwild und Feldvögel
- Bei lockerem Bestand mögliche Brutplätze für bodenbrütende Vogelarten
- Gute Option auf Flächen, auf denen es aus betrieblichen oder standörtlichen Gründen keine anderen Möglichkeiten gibt für mehr Blütenreichtum zu sorgen (etwa wenn die Feldränder von Gräsern und Brennnesseln stark dominiert werden und entsprechend mit einer Verunkrautung durch mehrjährige Blühstreifen zu rechnen ist).
Grenzen:
- Einjährige Blühstreifen bieten kaum Überwinterungsstrukturen. Für viele Wildtiere und Insekten wäre dies jedoch wichtig. Deshalb sollten die Streifen möglichst über Winter stehen bleiben (siehe Maßnahme A13).
- Seltene und gefährdete Blütenbesucher sind auf heimische Wildpflanzen angewiesen, die in einjährigen Blühmischungen meist fehlen. Wenn möglich, sollte Regiosaatgut verwendet werden.
→ Blühstreifen-Varianten: Die Maßnahmen A13–A14.1 sind naturschutzfachlich hochwertiger. Weitere Infos dazu finden Sie in den entsprechenden Maßnahmenbeschreibungen.
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